Teil 5

Diesmal geht es um die 2-Schilling-Gedenkmünzen der Ersten Republik, die an Menschen erinnern, die Politik und Geschichte gemacht haben. Dabei soll hier keine Bewertung ihrer Persönlichkeit und ihrer Tätigkeit vorgenommen werden. Wir wollen Euch nur vermitteln, wer hinter den Porträts auf den Münzen steht. Das zeigt gleichzeitig ein bißchen von den Problemen der Zeit. 1933 kam die Silbermünze zum ersten Todestag von Dr. Ignaz Seipel heraus (1876 bis 1932). Der Politiker war seit 1921 Prälat, aber schon seit 1918 Minister, und zwar in der letzten kaiserlichen Regierung. Er wurde 1921 Obmann der Christlichsozialen Partei. Von 1922 bis 1929 leitete er als Kanzler insgesamt fünf Kabinette. 1924 wurde er bei einem Revolverattentat am Wiener Südbahnhof verwundet. Die Seipel-Münze hat heute einen Handelswert von ungefähr öS 650,–. Dr. Engelbert Dollfuß (1892 bis 1934) war der Kanzler, der für einen besonders konfliktreichen Abschnitt der Ersten Republik steht. Von 1932 bis 1934, seinem Todesjahr, führte er die
Regierung, und zwar seit März 1933 ohne Parlament. Er verbot die Nationalsozialisten, die Kommunisten, den Republikanischen Schutzbund und schließlich auch die Sozialdemokraten. Nach Notverordnungen und Standrecht kam es unter ihm mit der Maiverfassung 1934 zum Ständestaat. Schon im Oktober 1933 gab es ein Attentat auf ihn. Beim Juliputsch 1934 drangen Nazis ins Bundeskanzleramt ein und ermordeten Dollfuß. In demselben Jahr erschien die 2-Schilling-Gedenkmünze anläßlich seines Todes. Heute wird die Münze um ca. öS 280,– gehandelt. Einer der populärsten und gleichzeitig umstrittensten Bürgermeister Wiens war Dr. Karl Lueger (1844 bis 1910). Zunächst Anwalt, übte er von 1897 an das Bürgermeisteramt aus. Besonders unterstützte er den gewerblichen Mittelstand. Seine Leistungen für Wien – von der Gas- und Elektrizitätsversorgung bis zur zweiten Hochquellenwasserleitung – können sich sehen lassen. Das Porträt auf der Münze zeigt einen entschlossenen Mann. Diese Silberprägung kostet heute laut Katalog öS 350,–. Aus einer ganz anderen Zeit und einer völlig unterschiedlichen Welt kommt die geschichtliche Figur auf der vierten Münze. Zum 200. Todestag von Prinz Eugen von
Savoyen (1663 bis 1736) wurde diese Gedenkmünze im Jahr 1936 geprägt. Ihr kennt doch das Lied „Prinz Eugen, der edle Ritter ...“. Der Großneffe von Kardinal Mazarin trat 1683 ins kaiserliche Heer ein und kämpfte bei der Türkenbefreiung Wiens mit. 1697 wurde er Oberbefehlshaber gegen die Türken. Er gab bedeutende Barock-Bauwerke in Auftrag, so das Belvedere und sein Winterpalais in der Himmelpfortgasse, in das übrigens 1752 die Wiener Münze übersiedelte. Heute hat dort das Finanzministerium seinen Sitz. Prinz Eugen ruht im Stephansdom. Sein Denkmal steht auf dem Heldenplatz. Die 2-Schilling-Münze zu seinen Ehren ist heute ungefähr öS 260,– wert. Das nächstemal schauen wir uns die restlichen 2-Schilling-Gedenkmünzen der Ersten Republik an.

     

Dr. Ignaz Seipel                         Dr. Engelbert Dollfuß                          Dr. Karl Lueger                       Prinz Eugen von Sawoyen

   
Seit 16. Juni gibt es den Kursmünzensatz 2010 HGH und die neue 5-Euo-Silbermünze
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