Teil 10

Diesmal wollen wir uns mit vier Politikern der Zweiten Republik beschäftigen, die man alle als „Gründerväter“ unseres neuen Staates bezeichnen könnte. Mit 50-Schilling-Silbergedenkmünzen wurde drei wichtigen Staatsmännern gedacht: Karl Renner 1970, Julius Raab 1971 und Theodor Körner 1973. 1982 erschien ein 500-Schilling-Stück mit dem Porträt von Leopold Figl.

Auf dem Weg zum Staatsvertrag

Der in St. Pölten geborene Julius Raab (1891–1964) war von Beruf Bauingenieur, aber schon in der Ersten Republik politisch tätig. Der Mitbegründer und Präsident der Wirtschaftskammer gehörte auch zu den wichtigsten Gründern der ÖVP, die er von 1952 bis 1960 als Obmann leitete. Ing. Raab gehört zu den ganz großen Bundeskanzlern der Republik. Er übte das Amt von 1953 bis 1961 aus. Sein größtes Verdienst war wohl der sogenannte „Raab-Kamitz-Kurs“ (Reinhard Kamitz war Finanzminister in der Regierung Raab). Dieser Kurs trug wesentlich zur Stabilisierung der Währung, zur Vollbeschäftigung und letzten Endes zum „österreichischen Wirtschaftswunder“ bei. Raabs Einsatz

war maßgebend für den EFTA-Beitritt, also den frühen Europakurs Österreichs, und für die Sozialpartnerschaft. Eng verbunden mit dem Namen Raab ist der von Leopold Figl (1902–1965), der bereits vor Raab Bundeskanzler gewesen war, – von Ende 1945 bis Anfang 1953. Vor dem Krieg übte Figl das Amt des Direktors des NÖ Bauernbundes aus. Die Nazis brachten ihn in die KZs Dachau und Mauthausen. Auch er war Mitbegründer der ÖVP und von 1945 bis 1951 ihr Obmann. Er mußte das Amt des Bundeskanzlers aufgrund parteiinterner Auseinandersetzungen abgeben, machte sich aber von 1953 bis 1959 als Außenminister einen Namen. Wegen seiner Volkstümlichkeit war er überaus populär und beliebt. Sein Lebenswerk wurde gekrönt, als er 1955 den Staatsvertrag mit unterzeichnete. Dieser wichtige Vertrag war übrigens mehrfach Thema für österreichische Münzen, so bei dem 100-Schilling-Stück „20 Jahre Staatsvertrag“ aus dem Jahr 1975 und auf der 1980 erschienenen 500-Schilling-Münze „25 Jahre Staatsvertrag“. Außerdem sind auf dem Avers der 1996 herausgegebenen 1000-Schilling Goldmünze „50 Jahre Zweite Republik“ aus der großen Millenniumsserie die Unterzeichner des Staatsvertrags auf dem Balkon des Belvedere zu sehen.

Unvergessliche Bundespräsidenten

Dr. Karl Renner (1870–1950) hatte schon am Beginn der Ersten Republik das Amt des Staatskanzlers ausgeübt und war auch der erste Staatschef der neuen Republik. Sein politisches Leben prägte vor allem Österreich und „seine“ sozialistische Partei vor dem Zweiten Weltkrieg. Die provisorische Verfassung, die Wahlordnung und wichtige Gesetze gehen auf ihn zurück. Er führte auch die österreichische Delegation bei den Friedensverhandlungen von Saint-Germain. 1945 bis 1950 war er unser erster Bundespräsident, der sich für das Miteinander der Gesellschaft einsetzte. Dr. h. c. Theodor Körner (1873–1957) folgte ihm als Bundespräsident von 1951 bis 1957. Auch sein Lebensweg führte zum Großteil durch die Erste Republik. Ursprünglich war er General, ab 1918 Abteilungsleiter im Heeresamt. 1924 – inzwischen pensioniert – wurde er Mitglied der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei (der Vorgängerpartei der heutigen Sozialdemokraten). Er wollte keinen gewaltsamen Widerstand gegen "das andere Lager". Die Jahre 1934 bis 1944 verbrachte er in Haft. Von 1945 bis 1951 begann seine zweite Karriere als Bürgermeister von Wien. Auch als Bundespräsident war er stets ein Mann der Versöhnung und partnerschaftlichen Zusammenarbeit.

        

50-Schilling-Silbermünze Karl Renner                                                50-Schilling-Silbermünze Theodor Körner

                                                         50-Schilling-Silbermünze Julius Raab                                             500-Schilling-Silbermünze Leopold Figl

   
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